Es gibt Momente im Leben, die man nicht plant. Ich war jung, arbeitete nebenberuflich in einer Praxis in Havixbeck — und dann kam die Anfrage, die alles veränderte. Der USC Münster, damals eine der erfolgreichsten Damen-Volleyball-Mannschaften Deutschlands, suchte einen Physiotherapeuten. Ich war dabei. Von 1998 bis 2001.
Was folgte, waren drei Jahre, die ich nicht gegen irgendetwas eintauschen würde.
Der USC Münster — was das bedeutete
Wer nicht aus Münster kommt, kennt den USC vielleicht nicht. Wer aus Münster kommt, weiß: Dieser Verein ist Volleyball in Deutschland. In den Jahren, in denen ich dabei sein durfte, war das Team nicht irgendeine Bundesligamannschaft — es war eine der Bundesligamannschaften.
Die Spielerinnen, mit denen ich arbeitete, waren Nationalspielerinnen, Champions-League-Teilnehmerinnen, Titelkandidatinnen. Der Druck war real. Die Reisen waren intensiv. Und die Erwartungen — an alle, auch an mich — waren hoch.
Was meine Arbeit dort war
Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 2001 — geschrieben von Martina Schönwälder für die lokale Presse — beschreibt es besser als ich es heute formulieren könnte. Der Titel: „Es ist ein bisschen wie beim Friseur."
Das Verhältnis zwischen Physiotherapeut und Spielerin ist besonders. Man kommt regelmäßig. Man spricht über Dinge, die man nicht mit jedem bespricht — Schmerzen, Unsicherheiten, Körpergefühl. Vertrauen ist die Grundlage. Und dieses Vertrauen zu verdienen und nicht zu missbrauchen — das war einer meiner wichtigsten Grundsätze damals. Bis heute.
„Manchmal denke ich, es ist ein bisschen wie beim Friseur."
— Herr Kio, zitiert im Pressebericht vom 7. Mai 2001
Mein Ziel war immer dasselbe: Nach jeder Behandlung sollte eine Schmerzlinderung eintreten, die eingeschränkte Beweglichkeit verbessert sein. Die Spielerinnen kamen auch dann, wenn es keine akuten Verletzungsprobleme gab — zur Prophylaxe, zum Gespräch, zur Behandlung. Das war kein Luxus. Das war professionelle Sportmedizin.
Die Titel — und was sie bedeuten
In meinen drei Jahren beim USC Münster war ich Teil eines Teams, das konstant zur Spitze des deutschen Volleyballs gehörte:
Das Goldene Buch der Stadt Münster
Im Mai 2001 durften wir uns ins Goldene Buch der Stadt Münster eintragen. Im Friedensaal des historischen Rathauses — dem Ort, an dem 1648 der Westfälische Friede unterzeichnet wurde. Oberbürgermeister Dr. Tillmann empfing uns.
Das Goldene Buch der Stadt Münster
Im Goldenen Buch der Stadt Münster haben sich eingetragen:
Staatsoberhäupter und Adel: König Willem-Alexander der Niederlande, der Dalai Lama, Papst Johannes Paul II., Prinz Charles und Prinzessin Diana.
Politik: Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler sowie Bundespräsidenten — darunter Angela Merkel, Helmut Schmidt, Joachim Gauck, Frank-Walter Steinmeier und Armin Laschet. Die G7-Außenminister, darunter Annalena Baerbock.
Sport und Kultur: Boxer Vitali Klitschko, internationale Künstler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Und — der USC Münster. Mit mir.
Ich will ehrlich sein: Ich habe in diesem Moment nicht an meine Karriere gedacht. Ich habe daran gedacht, was es bedeutet, Teil von etwas Größerem zu sein. Eine Mannschaft. Ein Ziel. Ein gemeinsamer Erfolg.
Das Goldene Buch war keine persönliche Auszeichnung für mich allein. Es war die Anerkennung einer Gemeinschaft — und ich war Teil dieser Gemeinschaft. Als Physiotherapeut. Als Begleiter. Als einer, der dafür sorgte, dass die Spielerinnen auf dem Platz stehen konnten.
Was diese Jahre bis heute prägt
Leistungssport lehrt schnell, was wirklich zählt. In der Bundesliga gibt es keine Zeit für Halbherzigkeit. Entweder eine Spielerin ist fit — oder sie ist es nicht. Entweder eine Behandlung hilft — oder sie hilft nicht. Ergebnisse zählen. Nicht Absichten.
Diesen Standard habe ich nie losgelassen. Weder als ich danach 22 Jahre in Havixbeck meine eigene Praxis führte — noch heute, in der Privatpraxis in Münster-Mauritz-Ost. Jeder Patient, der zu mir kommt, verdient dieselbe Qualität wie eine Bundesliga-Athletin. Das ist kein Anspruch den ich mir selbst auferlege. Das ist der einzige Standard, den ich kenne.
Und noch etwas hat mich diese Jahre gelehrt: Die wichtigste Arbeit passiert nicht in dem Moment, in dem man behandelt. Sie passiert in dem Moment, in dem man versteht, was eine Person — Spielerin oder Patient — wirklich braucht. Das Handwerk kann man lernen. Das Zuhören auch. Aber beides gleichzeitig, konsequent, über Jahre — das ist Erfahrung.
„Jedes fühlt sich anders an. Keins sei wie das andere. Die Unterschiede liegen in der Struktur des Gewebes."
— Herr Kio, zitiert im Pressebericht vom 7. Mai 2001
Und jetzt: Heimkehr nach Münster
Als ich 2026 entschieden habe, nach Münster zurückzukehren — in die Stadt, in der ich als junger Mann in einer WG am Pleistermühlenweg wohnte, an der Timmermeister-Schule meine Ausbildung machte, beim USC als Physiotherapeut arbeitete — da war das kein Zufall. Es war eine bewusste Entscheidung.
Münster ist meine Stadt. Ich kenne sie. Ich kenne ihre Menschen. Und ich bringe mit, was ich in 30 Jahren gelernt habe — von den Bundesliga-Spielerinnen des USC bis zu den Patienten in Havixbeck.
Ich freue mich auf Sie.
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